Die Krise macht auch vor Müll nicht Halt
17.04.2009 09:02
Rhein-Neckar-Zeitung vom 17.04.2009:
Von Ursula Brinkmann.
Neckarelz/Obrigheim. Dass Müll nicht gleich Müll ist, erfährt, wer sich bei dem Abfallrecycling- und -beseitigungsunternehmen INAST umsieht. Dessen orangefarbene Fahrzeuge sind überall in der Region unterwegs, der Wertstoffhof in der Neckarelzer Industriestraße ist jedem bekannt, der ein ausgedientes Spülbecken, Autoreifen, Gartenmöbel oder seinen schrottreifen PC loswerden will. Bei einem Betriebsbesuch erfuhren Oberbürgermeister Michael Jann und Wirtschaftsförderer Alfred Schumacher von INAST-Geschäftsführer Gerd Schaller und Prokurist Michael Hörtkorn zahlreiche Details, aber auch, wie es ums Geschäft im Allgemeinen steht.
In den Blick genommen wurden die Firmenstandorte Neckarelz und Obrigheim. Der Abfall-Spezialist, 1973 als reiner Containerdienst mit einem Lkw gegründet, ist heute an sechs Standorten von Lauda-Königshofen bis Michelstadt anzutreffen; Anfang 2009 fand die vorläufig letzte Übernahme eines Entsorgungsbetriebes statt.
So wenig wie Müll gleich Müll ist, so unterschiedlich stellt sich seine Behandlung dar. Und INAST hat sich im Laufe der Jahre darauf eingestellt, hat den Containern Pressen hinzugefügt, Sortieranlagen und Schrottscheren angeschafft. "Allein von den größeren Containern, so genannten Absetzern und Abrollern, sind rund 4000 Stück im Umlauf", machte Hörtkorn die Dimensionen des Betriebs deutlich. "Für jedes Übel einen Kübel", reimt man bei INAST launig.
Auch die Zahl der Geschäftsfelder ist kontinuierlich gewachsen. Sie reichen von der mobilen Aktenvernichtung über das Papier-, Kunststoff- und Schrottrecycling bis zur Elektronikschrottverwertung und Sonderabfallzwischenlagerung. Sogar im Bereich der Straßen- und Kanalreinigung ist man aktiv.
Eine Zusammenarbeit mit der kreiseigenen Abfallentsorgungsgesellschaft AWN ergibt sich fast zwangsläufig. Müll versprach jahrelang gute Geschäfte, da wollte mancher mitmischen. Auch die AWN arbeitet beständig daran, neue Geschäftsfelder zu beackern. "Seit Bestehen der AWN läuft es auf eine Kooperation zwischen dem Kreis und uns hinaus", sieht Michael Hörtkorn das Gute daran.
Der kommunale Abfallentsorger ermöglicht (und zahlt dafür an INAST) den Bürgern des Neckar-Odenwald-Kreises beispielsweise, mit den AWN-Berechtigungsnachweisen bis zu 16-mal jährlich (je nach Restmülltonnengröße) jeweils montags und donnerstag in den Containern der Firma INAST Haushaltsabfälle bis zu einem Volumen von 0,3 m³ kostenlos loszuwerden. Wer dienstags, mittwochs oder freitags kommt, muss nach Art und Menge zahlen. Kein Wunder also, dass sich an Montagen und Donnerstagen Autoschlangen vor den Entsorgungsbehältern auf dem INAST-Hof bilden. Zu regelrechten "Großkampftagen" (Gerd Schaller) werden diese beiden Wochentage in den Oster- und Weihnachtsferien.
Wer nun glaubt, dass mit Müll fantastische Geschäfte zu machen wären, der irrt. Sogar die gern wiederholte Spruchweisheit, dass es Müll immer gebe, hat im Zuge der Wirtschaftskrise ihre Gültigkeit verloren. Denn ein Großteil dessen, was den INAST-Entsorgungsweg einschlägt, sei es nun Verwertung oder Transport, kommt aus der Industrie. Geschäftsführer Schaller: "Weniger Produktion bedeutet weniger Abfall." Noch nie etwa sei es vorgekommen, dass eine Fabrik zur Papierherstellung, mit der man kooperiere, ihre Produktion habe einstellen müssen, weil das Papier nicht absetzbar sei.
"Der Rückstau erreicht auch uns als Altpapierlieferant." 50000 Tonnen Altpapier durchlaufen jährlich die Sortierstraßen am Standort Obrigheim, wo keinesfalls nur maschinell sortiert wird. Flinke Frauenhände fischen aus dem bunten Vielerlei das heraus, was die Verwertbarkeit beeinträchtigen würde. "Sogar Rehfelle haben wir schon gefunden", sagt Schaller. Am Ende erfasst man bei INAST 40 Sorten Altpapier.
Noch aufwendiger geht es bei der Demontage von ausrangierten Fernsehgeräten und Computern zu, die hauptsächlich von Hand geschieht. 160 Mitarbeiter, Azubis und Studenten inklusive, beschäftigt das Unternehmen. Gerd Schaller hofft, die gegenwärtigen Krise dadurch abfangen zu können, dass Überstunden und Resturlaubstage abgebaut werden. An härtere Maßnahmen mag er noch nicht denken.

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